Zyklusyoga

Zyklusyoga

Eigentlich komisch, dass wir überhaupt darüber sprechen, wieso wir unsere Yogapraxis an den Zyklus anpassen sollten. Wir sitzen ja auch nicht im Winter kurzärmlig im Garten und essen ein Glacé. Oder verkriechen uns im Sommer mit einem feinen Gratin, Kerzen und einer heissen Schoggi in der kuschlig warmen Wohnung.

Wie die Natur Jahreszeiten durchläuft, so gibt es verschiedene Phasen im Menstruationszyklus. Der weibliche Zyklus besteht nicht nur aus der Menstruation (die Zeit der Blutung) sondern spannt die gesamte Zeit - vom Start einer Blutung bis zur nächsten.*

Optimale Unterstützung in jeder Phase

Die Idee von Zyklusyoga ist, den Körper optimal in jeder Phase zu unterstützen. Wir schauen, wie das (innere) Wetter gerade ist, was mir jetzt gerade gut tun würde. Brauche ich etwas warmes oder kaltes zu essen übersetzt sich dann in die Frage, welche Art von Körperaktivität mir jetzt gerade gut tut. Anregend und kraftvoll oder entspannend? Statisch gehaltene oder dynamische Asanas?

Zu wissen, was dir jetzt gerade gut tun würde ist manchmal gar nicht so einfach. Je nach angeborenen oder antrainierten Tendenzen, meldet sich eine Stimme in uns, dass wir doch jetzt vor allem kurz aufs Sofa liegen sollten (also bei mir sicherlich :)). Oder dass wir immer etwas anstrengendes brauchen. Für viele Menschen ist also der Zugang zum Körperwissen (oberflächlich) durch Ideale oder erlernte Muster verdeckt.

Ein erster Schritt im Zyklusyoga ist darum oft, zu beobachten, wie du dich nach Aktivitäten fühlst und diese zusammen mit Zyklusinformationen zu notieren. Ich bin mir sicher, dass du ganz schnell Muster erkennen wirst! Übrigens: mehr zum Zyklustracking findest du hier.

Zyklusyoga im Alltag

Es geht nicht darum, den perfekten Zyklus zu erreichen, wo wir alle Aktivitäten und Yogaasanas perfekt abgestimmt haben. Die Idee ist, dass du deinen Körper immer besser und feiner wahrnehmen kannst. Dazu kann auch gehören zu bemerken, wie es sich während der Menstruation in einer Asthanga Klasse anfühlt. Oder ob eine Yin Klasse befriedigend ist in der Zeit um den Eisprung.

Je mehr wir die Schwankungen unseres Körpers kennen, desto feiner können wir uns auf verschiedenste Art und Weise unterstützen. Im Zyklusyoga trainieren wir genau diese beiden Aspekte: den Körper wahrnehmen und ihn gezielt mit Yogaasanas zu unterstützen. Zudem lernst du die Verbindung von Körper und Geist bewusster zu erfahren.

Wie kann eine einfache zyklische Praxis aussehen?

Solche vereinfachten Pläne können uns helfen, den Einstieg in eine zyklische Praxis zu finden. Sie sind aber keinesfalls als “heilig” anzusehen. Wenn es dich anspricht, dann probiere es gerne mal so aus und lass mich wissen, wie es sich für dich anfühlt!

  • Tag 3: ein Yoga Nidra (z. B. vom Yoganidra Network) und Beine hochlagern lassen dich entspannen und nehmen Druck vom unteren Rücken weg

  • Tag 5: sanftes Yoga mit Fokus auf dem Schulter-Nacken Bereich (hier lagern sich während der Mens oft Spannungen ab)

  • Tag 8: ein kräftiger Vinyasaflow macht nun so richtig Spass

  • Tag 14: ein herausfordernder Flow lässt dich deine Grenzen austesten

  • Tag 20: hüftöffnende Asanas zentrieren dich

  • Tag 23: Yin Yoga unterstützt dich, in die natürliche Ruhe der Phase vor der Menstruation einzutauchen

Ein Wort zu Beschwerden vor und während der Menstruation. Es gibt inzwischen viele Videos zu Yogapraxen, welche zur Linderung von PMS-Symptomen beitragen können. Meiner Erfahrung nach kann dies bei leichten Fällen und wenn du auch sonst eine regelmässige Praxis hast, hilfreich sein. Wenn du jedoch sehr starke Schmerzen vor oder auch während der Mens hast, könnte es schwierig werden, diese nur durch Yogaposen zu “behandeln”. Hier bietet sich eine ganzheitliche Betrachtung an und kann jenachdem, die Ernährung, Lebensgewohnheiten und psychologische Faktoren und weiteres beinhalten. Gegebenenfalls bietet sich auch eine Abklärung bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an. Wenn du hierzu Fragen hast, kontaktiere mich gerne. Wichtig zu wissen: eine schmerzhafte Menstruation oder stark belastende prä-menstruelle Phase sind nicht normal!

In der Infografik siehst du einige Tendenzen, welche von vielen Frauen wahrgenommen werden. Oftmals braucht es drei bis vier Zyklen mit Zyklusbeobachtung um diese Phasen vertieft zu spüren. Gewisse Phasen liegen dem Gemüt auch näher als andere. Wie sieht es bei dir aus? Welche Phasen kennst du bei dir und wie fühlen sich diese an?

Die inneren Jahreszeiten im Zyklusyoga

Du möchtest mehr über zyklisches Praktizieren lernen und wie du deine Yogapraxis anpassen kannst? Dich interessieren Tipps und Tricks für Anpassungen in Yogastunden? In den Zyklusyoga Workshopreihen schauen wir uns genau das an.

*Als Konvention zählt frau den ersten Tag der Blutung als den ersten Tag des Zyklus. Ein Zyklus ist nun die gesamte Zeit bis zum Beginn der nächsten Blutung (bzw. am Tag davor).

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