Zyklisch leben 

easy peasy

Zyklisch leben ist effizient

Die Idee ist, immer mit der Energie zu fliessen, welche gerade präsent ist. Das Energieniveau, die Schlafmenge, wieviel Hunger du hast, welche Arten von Arbeiten leicht fallen - alle diese Punkte verändern sich während dem Zyklus. Leider sind diese wichtigen Aspekte noch weitgehend nicht wissenschaftlich untersucht*.

Es gibt jedoch in den letzten Jahren einige Studien, welche untersuchen, wie hormonelle Änderungen und die Gehirnstruktur zusammenhängen (z. B. diese hier). Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Zusammenhänge sich gewissen Gehirnstrukturen und Hormone zu erwarten sind und gegebenenfalls unterschiedliche Bereiche zur Problemlösung verwendet werden. In einer Studie des Max-Planck-Institutes wurde zum Beispiel der Hippocampus, ein Bereich der für Gedächtnis, Stimmung und Emotionen zuständig zu sein scheint, untersucht. Hier zeigten sich strukturelle Veränderungen je nach Zyklushpase. Die Studienlage zu diesen Befunden ist jedoch noch sehr dünn.

Starte mit Zyklustracking

Wenn du deinen einzigartigen Zyklus näher kennenlernen möchtest, ist das Zyklustracking ein guter Anfang. Setzte die Absicht, dieses für mindestens vier Monate durchzuführen damit du Vergleiche hast. Das Tracking ist einfach:

  • Überlege dir, wie du die Informationen tracken möchtest. Lieber analog oder digital? Denke auch an die Möglichkeit, die Informationen auswerten zu können.

  • Notiere den Tag deines Blutungsstarts als Tag 1.

  • Starte am 7. Tag deines Zyklus mit dem Tracking. Notiere dir Stichworte zu deinen Gefühlen, Schlaf, Lust auf Soziales, Energie. Du kannst Punkte auf einer Skala von 1-10 vergeben. Diese kannst du nachher sehr einfach vergleichen und Muster erkennen.

  • Mache dies jeden Tag zum gleichen Zeitpunkt, zum Beispiel vor dem Zähneputzen am Abend. So formst du einen neue Gewohnheit.

Vielleicht bemerkst du schnell, wie sich gewisse Aspekte während dem Zyklus verändern oder sie fallen dir nach ein paar Zyklen Beobachtung auf. Es gibt einige Punkte, die von vielen Frauen beobachtet werden. Hier eine kleine Auswahl davon

  • Follikelphase/innerer Frühling: Lust etwas neues anzupacken, viel Energie

  • Eisprungphase/innerer Sommer: Sozial und diplomatisch, sehr viel Energie und Multitasking fällt leicht. Schwierige Gespräche passen hier perfekt rein

  • Lutealphase/innerer Herbst: Aufräumen und abschliessen stehen im Vordergrund. Sachen, die schon seit Wochen närven kommen jetzt an die Oberfläche.

  • Menstruation/innerer Winter: Reflektionen fallen einfach, Klarheit zu verschiedenen Themen stellt sich ein.

Beachte, dass es bei deinem Zyklus kein richtig oder falsch gibt. Es gibt nicht den perfekten Zyklus den du zu erreichen hast. Beobachte also was für dich jetzt gerade präsent ist.

Mikroveränderungen

Mikroveränderungen eigenen sich sehr gut, um im Zyklus etwas mehr Raum für die einzelnen Phasen zu geben. Vielleicht gehst du während deiner Blutungszeit einmal nicht mit den Arbeitskolleg*innen Mittagessen sondern setzt dich in den nahegelegenen Park. Vielleicht planst du das Erstellen eines lustigen Geburtstagsgeschenks auf den inneren Frühling, so nährst du deine Freude hier gleich doppelt. Oder du nimmst dir bewusst in der Zeit vor der Mens einen Malblock anstatt den Fernseher anzustellen und beflügelst so deine Kreativität, welche in dieser Zeit sowieso leichter zugänglich ist. Die Möglichkeiten sind unendlich. Wichtig ist, dass es sich um kleine Änderungen handeln darf.

Die Imperfektion Zyklus

Würden wir alleine in einer Höhle wohnen, könnten wir vielleicht perfekt nach unserem Zyklus leben. Die meisten Menschen nehmen jedoch verschiedene Rollen in ihrem Alltag wahr. Diese bringen unterschiedliche Anforderungen mit sich. Die Frau* steht also vor der spannenden Aufgabe, wie sie sich und ihrem Zyklus gerecht werden kann und alle Anforderungen zu erfüllen, welche sie sich wünscht.

Ein wichtiger Aspekt ist der Teilsatz “welche sie sich wünscht”. Gewisse an uns gestellte Anforderungen möchten wir vielleicht gar nicht wahrnehmen. Ist es mir wirklich wichtig, allen Nachbarn noch ein Osternästli zu machen? Darf ich zu dieser Anfrage meiner Mutter Nein sagen? Braucht es wirklich zwei verschiedene Kuchen für das Kinderfest?

Die Balance im Zyklus

Mit der präsenten Energie zu fliessen heisst nicht, dich ziellos treiben zu lassen. Ohne Ausrichtung fängst du viele Sachen an und beendest wenige davon. Du bist die ganze Zeit beschäftigt aber gefühlt hast du nichts erledigt.

Es geht darum eine Balance zu finden. Diese ist im Menstruationszyklus eingebaut: hier durchleben Phasen wo verschiedene Aspekte im Vordergrund sind. Unsere Wortwahl schwankt von klar und deutlich zu Umschweifen. Inspirationen sind uns nahe und dann sind wir wieder sehr kognitiv und rational unterwegs. Alles hat zu seiner Zeit Platz. Die Idee ist, dass du weisst, wann in deinem Zyklus was im Vordergrund steht und du entsprechend agieren kannst.

Komme durch zyklisches Leben von der Reaktion in die Aktion.

* Dies hat meiner Meinung nach die folgenden Gründe: Forschung zum weiblichen Körper wird immer noch weniger finanziert als Forschung zu männlichem Körper (man oder frau vergleiche hierzu Studien zu Potenzproblemen und Menstruationsbeschwerden und überlege dann mal, wieviele Menschen von den beiden Beschwerden betroffen sind). Zudem startet eine Forschung immer mit einer Frage. Diese Fragen beruhen im Menstruationszyklus fast nur auf Beschwerdenbilder. Doch was wir bräuchten wären Fragen nach Auswirkungen auf unterschiedliche psychologische Konstrukte abseits von Beschwerdebilder.

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